Vietnam

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Vietnam
Vi|et|nam […'na(:)m ]; -s:
Staat in S√ľdostasien.

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Vietnam
 
 
 
Fläche: 331 114 km2
 
Einwohner: (2000) 78,8 Mio.
 
Hauptstadt: Hanoi
 
Amtssprache: Vietnamesisch
 
 
Währung: 1 Dong (D) = 10 Hao = 100 Xu
 
Zeitzone: 1900 Hanoi = 1200 MEZ
 
, [v…™…õt'nam, vi'…õtnam], amtlich vietnamesisch nu√≥c C√īŐ£ng h√≤a X√£ h√īŐ£i chu nghń©a Vi√™Ő£t Nam, deutsch SozialiŐ£stische Republik Vietnam, Staat in S√ľdostasien, grenzt im Norden an China, im Osten und S√ľden an das S√ľdchinesische Meer, im S√ľdwesten an den Golf von Thailand und im Westen an Kambodscha und Laos, 331 114 km2, (2000) 78,8 Mio. Einwohner; Hauptstadt ist Hanoi. Zu Vietnam geh√∂ren auch die Insel Phu Quoc, die Con-Son-Inseln sowie mehrere andere kleine Inseln; Vietnam erhebt auch Anspr√ľche auf die Paracelinseln und die Spratlyinseln. Amtssprache ist Vietnamesisch. W√§hrung: 1 Dong (D) = 10 Hao = 100 Xu. Uhrzeit: 1900 Hanoi = 1200 MEZ.
 
 Staat und Recht:
 
 
Nach der Verfassung vom 15. 4. 1992 ist Vietnam eine sozialistische Republik. Das neue Grundgesetz fixiert Wirtschaftsliberalisierung, zugleich aber die Beibehaltung des Machtmonopols der kommunistischen Partei. Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Streitkr√§fte ist der vom Parlament auf f√ľnf Jahre gew√§hlte Pr√§sident. Er ernennt den Vizepr√§sidenten, den Premierminister sowie den Obersten Richter und die Staatsanwaltschaft. Die Legislative liegt bei der Nationalversammlung (395 Abgeordnete, f√ľr 5 Jahre gew√§hlt); Exekutivorgan ist die dem Parlament verantwortliche Regierung unter Vorsitz des Premierministers, dessen Entscheidungsbefugnis im Vergleich zur abgel√∂sten Verfassung erweitert wurde.
 
Parteien:
 
Im Rahmen eines Einparteiensystems besitzt die Dang Cong San Viet Nam (Kommunistische Partei Vietnams, KPV; hervorgegangen aus der 1930 gegr√ľndeten KP Indochinas) das politische F√ľhrungsmonopol; sie steht auch an der Spitze der ¬ĽVietnamesischen Vaterl√§ndischen Front¬ę (gegr√ľndet 1955). Massenorganisationen sind der Kommunistische Jugendverband Ho Chi Minh, die Vietnamesische Frauenunion und der Allgemeine vietnamesische Gewerkschaftsbund (gegr√ľndet 1976; rd. 3,8 Mio. Mitglieder).
 
 
Das Wappen zeigt innerhalb zweier goldener Reisgarben auf kreisrundem rotem Grund einen goldenen f√ľnfzackigen Stern, unter diesem ein gleichfarbenes Zahnrad. Reisgarben und Zahnrad sind umschlungen von einem roten Band, das am Fu√ü der Darstellung den amtlichen Staatsnamen tr√§gt.
 
Nationalfeiertage:
 
2. 9., zur Erinnerung an die Ausrufung der durch die Augustrevolution erkämpften Republik 1945.
 
 
Vietnam ist in 58 Provinzen, drei direkt der Zentralverwaltung unterstellte St√§dte (Hanoi, Ho-Chi-Minh-Stadt [fr√ľher Saigon], Da Nang) sowie ein Sondergebiet (Vung Tau-Con Dao) gegliedert. An der Spitze der einzelnen Gliederungen stehen Volksversammlungen und von diesen ernannte exekutive Volksaussch√ľsse.
 
 
Das Recht entspricht dem Vorbild sozialistischer Staaten. An der Spitze der Gerichtsorganisation steht das Oberste Volksgericht, untere Instanzen und Gerichtszweige bilden √∂rtliche Volksgerichte, Milit√§r- und andere Gerichte. Ferner gibt es ein System von Kontrollorganen, die die Einhaltung der Gesetze in Staat und Armee √ľberwachen.
 
 
Die Gesamtst√§rke der Wehrpflichtarmee (Dienstzeit in der Regel 24 Monate) betr√§gt etwa 500 000 Mann. Das Heer (rd. 450 000 Soldaten) ist in 14 Armeekorps gegliedert, die haupts√§chlich √ľber insgesamt 50 Infanterie- und sieben Pionierdivisionen, je eine Panzer- und Flugabwehrdivision sowie zahlreiche selbstst√§ndige Regimenter verf√ľgen. Die Marine hat rd. 10 000, die Marineinfanterie rd. 25 000, Luftwaffe und Luftverteidigungskr√§fte je rd. 15 000 Mann. Die Ausr√ľstung umfasst im Wesentlichen etwa 1 500 Kampfpanzer (√§ltere Typen sowjetischer und chinesischer Herkunft), rd. 280 Kampfflugzeuge (Su-22, Su-27, MiG-21, MiG-23), sieben Fregatten sowie etwa 40 Kleine Kampfschiffe.
 
 Landesnatur und Bevölkerung:
 
 
Vietnam hat eine L√§ngserstreckung von rd. 1 750 km. Seine gr√∂√üte Breite erreicht es mit 600 km im Norden, es verengt sich dann im mittleren Abschnitt auf 60 km und weitet sich im S√ľden nochmals auf 350 km aus. Die Hauptlebensr√§ume sind die Aufsch√ľttungstiefl√§nder, die Deltas des Roten Flusses im Norden (Tongking [vietnamesisch B«éc B√ī]) und des Mekong im S√ľden (Cochinchina [vietnamesisch Nam B√ī]) mit den st√§dtischen Zentren Hanoi beziehungsweise Ho-Chi-Minh-Stadt. Beide verbindet ein langer, schmaler K√ľstensaum (Annam [vietnamesisch Trung B√ī]). Ein Gebirgsvorsprung bei 18¬ļ n√∂rdliche Breite (¬ĽAnnamitische Pforte¬ę) bildet die kulturgeographische Grenze zwischen dem chinesisch gepr√§gten Stammland der Annamiten und den von ihnen sp√§ter besiedelten s√ľdlicheren K√ľstenlandschaften, die sie den Cham und Khmer entrissen haben. Die Deltatiefl√§nder werden durch Aufsch√ľttungsterrassen, alte Flussarme und nat√ľrliche Uferd√§mme gegliedert, hinter denen sich ausgedehnte R√ľckstaus√ľmpfe erstrecken. Das Tongkingdelta - eingerahmt von Bergl√§ndern - wird w√§hrend der monsunalen Regenzeit von starken √úberschwemmungen heimgesucht. Dies erforderte umfangreiche, zum Teil schon alte, zum Teil in der Kolonialzeit erweiterte kulturtechnische Bauten f√ľr die Sicherung von Siedlung und Anbau. Das Mekongdelta, dessen Anfang bei Phnom Penh in Kambodscha liegt, hat dagegen den Vorzug einer nat√ľrlichen Regelung des Hochwasserregimes. Dank der Ausgleichswirkung des Tonle Sap wird es viel weniger als der Norden von √úberschwemmungen beeinflusst. Unmittelbar neben dem Tongkingdelta steigt ein stark gegliedertes Bergland auf, das fast drei Viertel des Nordens einnimmt; durchschnittlich 1 000-1 500 m √ľber dem Meeresspiegel, erreicht es im Fan Si Pan 3 142 m √ľber dem Meeresspiegel. Weiter s√ľdlich verschm√§lert sich das Bergland und zieht als schmale K√ľstenkette von Annam bis 11¬ļ n√∂rdliche Breite, verbreitert sich dann erneut zu ausgedehnten Plateaus (weithin 500-1 000 m √ľber dem Meeresspiegel, im Ngoc Linh 2 598 m √ľber dem Meeresspiegel). Die durch zahlreiche Gebirgsvorspr√ľnge in einzelne K√ľstenh√∂fe gegliederte annamitische K√ľstenebene verengt sich stellenweise bis auf nur 10 km Breite.
 
 
Das Klima ist tropisch-monsunal; allerdings ist der Wechsel zwischen Regen bringendem sommerlichen S√ľdwestmonsun und trockenem winterlichen Nordostmonsun nur im S√ľden deutlich ausgepr√§gt. Der Norden erh√§lt auch w√§hrend der Wintermonate Niederschl√§ge, er wird au√üerdem von den k√ľhleren nord√∂stlichen Luftstr√∂mungen vom Festland her st√§rker beeinflusst. So weist Hanoi gr√∂√üere Temperaturschwankungen auf (Januarmittel 17 ¬ļC, Julimittel 29,1 ¬ļC), Ho-Chi-Minh-Stadt kennt dagegen kaum Abweichungen vom Jahresmittel von 27 ¬ļC. Im Mekongdelta und an der s√ľdlichen annamitischen K√ľste fallen j√§hrlich zwischen 1 000 und 2 200 mm Niederschlag, im Tongkingdelta 1 000-1 900 mm. Taifune, die die Ostk√ľste von Juni bis November heimsuchen, k√∂nnen Regenmengen von √ľber 3 000 mm bringen. In den Gebirgslagen steigen die j√§hrlichen Niederschl√§ge auf mehr als 4 000 mm an.
 
 
Die nat√ľrliche Vegetation setzt sich in den Gebirgs- und Luvlagen v. a. aus tropischen Regenw√§ldern, in den Leelagen der Becken und Plateaus aus Laub abwerfenden Monsunw√§ldern zusammen. Die Hochlagen der Gebirge im Norden tragen vielfach Nadelw√§lder, an den K√ľsten sind Mangroven verbreitet.
 
 
87 % der Gesamtbev√∂lkerung geh√∂ren zum Staatsvolk der fr√ľher Annamiten genannten Vietnamesen (Kinh). Ihre auf dem Nassreisanbau beruhende Lebensweise machte sie zu Tieflandbewohnern. So stehen den √ľberv√∂lkerten R√§umen des Tongking- und Mekongdeltas mit Dichtewerten von mehr als 1 000 Einwohnern/km2 die relativ menschenarmen Bergl√§nder gegen√ľber. Diese werden √ľberwiegend von nichtvietnamesischen Minderheiten bewohnt, v. a. von Tai (besonders die rd. 1,4 Mio. Tay, 1,2 Mio. Thai, 820 000 Nung), den Vietnamesen verwandten Muong (√ľber 1,05 Mio.), Yao und Bergst√§mmen (Montagnards, Moi), die teils Mon-Khmer- (z. B. Bahnar, Chamre, Koho, Sedang, Ma), teils austronesische Sprachen sprechen (z. B. Rhad√©, Jarai). Weitere Bev√∂lkerungs- Gruppen leben in den Siedlungsgebieten der Vietnamesen, v. a. die Cham (100 000), Khmer (rd. 650 000) und Chinesen (√ľber 1 Mio., v. a. in und um Ho-Chi-Minh-Stadt). 1979 wurden insgesamt 55 nichtvietnamesische Nationalit√§ten gez√§hlt.
 
Noch √ľberwiegt bei weitem der Anteil der agrarischen Bev√∂lkerung (72 % der Besch√§ftigten); rd. 20 % der Bev√∂lkerung leben in St√§dten (1973 in Nordvietnam 10 %, in S√ľdvietnam 30 %). Infolge des Krieges fl√ľchteten bis 1975 40 % der Bev√∂lkerung S√ľdvietnams nach Saigon. Nach Kriegsende wurden etwa 1,6 Mio. Einwohner aus den St√§dten, v. a. aus Ho-Chi-Minh-Stadt (fr√ľher Saigon), zwangsweise auf das Land in ¬ĽNeue Wirtschaftszonen¬ę umgesiedelt. Viele flohen bald illegal wieder in die St√§dte oder ins Ausland, zum Teil in kleinen Booten √ľber das Meer (¬ĽBoatpeople¬ę), anfangs v. a. Chinesen. Heute leben etwa 2,2 Mio. Vietnamesen im Ausland (besonders in den USA, Kanada, Australien), nach Repatriierung kaum noch in Fl√ľchtlingslagern.
 
Infolge der hohen Geburtenrate (1980-85 j√§hrlich 34,8 ‚Äį, 1996: 21 ‚Äį; Bev√∂lkerungswachstum 1996: 2,0 %) sind rd. 44 % der Bev√∂lkerung unter 15 Jahre alt (Deutschland: 16 %).
 
 
Die Religionsfreiheit ist durch die Verfassung garantiert, wird aber vom Staat als Individualrecht und somit ¬ĽPrivatsache¬ę interpretiert; die Gr√ľndung religi√∂ser Laienorganisationen und konfessioneller Schulen ist damit ausgeschlossen. Dominierende Religion ist der Mahayana-Buddhismus chinesischer Pr√§gung, zu dem sich weit √ľber die H√§lfte der Bev√∂lkerung bekennt. Vertreterin eines reformierten Buddhismus ist nach eignem Verst√§ndnis die 1939 gegr√ľndete Religionsgemeinschaft ¬ĽHoa Hao¬ę (rd. 1,5 Mio. Mitglieder). Von Bedeutung sind ebenfalls der Taoismus und der Konfuzianismus. - √úber 8 % der Bev√∂lkerung sind Christen: Katholiken und rd. 700 000 evangelische Christen. Die katholische Kirche umfasst drei Erzbist√ľmer (Hanoi, Ho-Chi-Minh-Stadt, Hu√™) mit 22 Suffraganbist√ľmern. Gr√∂√üte protestantische Kirche ist die ¬ĽEvangelikale Kirche (CMA)¬ę, hervorgegangen aus der Missionst√§tigkeit der nordamerikanischen Missionsallianzkirche, der in Vietnam (ab 1911) ersten und bis 1957 in S√ľdvietnam einzigen protestantischen Missionskirche. Im kommunistisch regierten Nordvietnam waren den christlichen Kirchen bis 1975 Missionst√§tigkeit und Auslandskontakte untersagt. - Die kleine muslimische Minderheit wird durch die Cham gebildet. - Traditionelle ethnische Religionen haben sich bei den Yao und den Bergst√§mmen erhalten. - Eine in Vietnam entstandene neue Religion ist der Caodaismus.
 
 
Es bestehen allgemein bildende, unentgeltliche Einheitsschulen, deren Grundstufe f√ľnf Jahre umfasst (Schulpflicht vom 7. bis 11. Lebensjahr). Die Sekundarstufe ist untergliedert in einen vierj√§hrigen Zyklus (Abschluss der Einheitsschule) und darauf aufbauend eine dreij√§hrige Sekundarstufe, entweder als allgemein bildende Mittelschule oder als zugleich berufsorientierte Fachmittelschule. Daneben bestehen beruflich-technische Schulen. Die Analphabetenquote betr√§gt 8,1 %. Die Erwachsenenbildung wird durch Alphabetisierungsprogramme gef√∂rdert. Zwei Universit√§ten gibt es in Ho-Chi-Minh-Stadt (gegr√ľndet 1962 und 1977), weitere in Hanoi (gegr√ľndet 1956), Can Tho (gegr√ľndet 1966) und Hu√™ (gegr√ľndet 1988).
 
 
S√§mtliche Medien unterstehen der Kontrolle des Ministeriums f√ľr Kultur und Information. Presse- und Meinungsfreiheit sind grunds√§tzlich garantiert, unterliegen jedoch zahlreichen Beschr√§nkungen; z. B. ist nur staatlichen und parteinahen Institutionen erlaubt, Presseorgane zu gr√ľnden. Die wichtigsten Tageszeitungen sind das KP-Parteiorgan ¬ĽNhan Dan¬ę (¬ĽDas Volk¬ę; Auflage 200 000) und die Zeitung der Streitkr√§fte ¬ĽQuan Doi Nhan Dan¬ę (¬ĽVolksarmee¬ę; 60 000). Eigene Zeitungen geben au√üerdem die Stadtkomitees von Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt heraus: ¬ĽHanoi Moi¬ę (¬ĽNeues Hanoi¬ę; 35 000) und ¬ĽSaigon Giai Phong¬ę (¬ĽBefreites Saigon¬ę; 100 000). Nachrichtenagenturen sind ¬ĽViet-Nam News Agency¬ę (VNA, gegr√ľndet 1945, staatlich) und die ¬ĽVinapress¬ę (gegr√ľndet 1988, unabh√§ngig). H√∂rfunk und Fernsehen sind staatlich. Die H√∂rfunkanstalt ¬ĽStimme Vietnams¬ę verbreitet f√ľnf landesweite Inlandsprogramme und ein Auslandsprogramm; ¬ĽVietnam TV¬ę strahlt ein zentrales Fernsehprogramm aus. Dar√ľber hinaus gibt es in allen Provinzen regionale H√∂rfunk- und Fernsehsender.
 
 Wirtschaft und Verkehr:
 
 
Mit der Verfassung von 1992, die u. a. das Recht auf Privateigentum an Produktionsmitteln sichert, werden die 1986 eingeleiteten marktwirtschaftlichen Reformen (Doi moi) weitergef√ľhrt. Trotz drastischer Markt√∂ffnungsma√ünahmen braucht die wirtschaftliche Entwicklung Zeit, da Privatisierungsma√ünahmen kaum voranschreiten und schwerf√§llige B√ľrokratie, Korruption, ein gro√üer informeller Sektor, mangelhafte Infrastruktur und Mangel an Fachkr√§ften den Aufschwung eind√§mmen. Auch der Zerfall der Sowjetunion und damit der Wegfall g√ľnstiger Rohstoff- und Maschinenlieferungen und Finanzhilfen sowie eine hohe Staatsverschuldung behindern den raschen wirtschaftlichen Aufschwung, der zudem von der Asienkrise indirekt betroffen ist. Gemessen am Bruttosozialprodukt (BSP) je Einwohner von (1998) 270 US-$ geh√∂rt Vietnam zu den √§rmsten L√§ndern der Erde. Die Inflationsrate lag im Zeitraum 1986-88 im Durchschnitt bei j√§hrlich 450 %, konnte jedoch durch konsequente Politik der Geldwertstabilisierung in den Jahren 1989-91 auf durchschnittlich 60 % gesenkt werden und betrug (1997) 5,0 %. Der Kurs der Landesw√§hrung ist seit Anfang 1993 gegen√ľber dem US-$ weitgehend stabil. Die Auslandsverschuldung in konvertiblen W√§hrungen lag (1996) bei 7,2 Mrd. US-$, die Schulden gegen√ľber der fr√ľheren Sowjetunion (und in ihrer Rechtsnachfolge heute Russland) beliefen sich auf 9,2 Mrd. Rubel.
 
 
Im Agrarsektor arbeiteten 1996 72 % der Erwerbst√§tigen; er trug 27,2 % zur Entstehung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bei. Die landwirtschaftliche Fl√§che umfasst (1994) rd. 7 Mio. ha. Reis (bis zu drei Ernten j√§hrlich) ist das mit Abstand wichtigste Grundnahrungsmittel und wird auf rd. 80 % der landwirtschaftlichen Nutzfl√§che, v. a. im Mekongdelta, angebaut. Seit 1997 steht Vietnam erstmals seit Jahrzehnten nach Thailand weltweit an 2. Stelle der Reisexporteure. Zus√§tzlich dient der Anbau von Mais, Hirse, Maniok, Bataten, Gem√ľse und Obst (v. a. Bananen, Apfelsinen, Ananas) dem Eigenbedarf. Exporterzeugnisse sind in erster Linie Reis, Kaffee und Tee, dar√ľber hinaus Zuckerrohr, Tabak, Jute, Baumwolle, Sojabohnen, Cashew- und Kokosn√ľsse. Viehhaltung spielt eine gro√üe Rolle; es dominieren die Schweine-, B√ľffel- und Rinderzucht (Bestand 1997: 17,5 Mio., 2,9 Mio. und 3,8 Mio.).
 
 
Die Waldzerstörung durch chemische Kampfmittel während des Vietnamkriegs (bis 1975), durch den Bau von Straßen und Siedlungen sowie den Abbau von Bodenschätzen hat die Waldfläche auf (1994) 9,65 Mio. ha reduziert. Der Holzeinschlag belief sich auf (1992) 26,5 Mio. m3, davon werden rd. 80 % als Brennholz genutzt.
 
 
Die Ertr√§ge der K√ľsten- und Binnenfischerei beliefen sich nach Sch√§tzungen auf (1994) insgesamt 912 000 t.
 
 
Mineralische Bodensch√§tze finden sich fast ausschlie√ülich im Norden des Landes. Von Wichtigkeit ist Steinkohle, deren F√∂rderung (1994) 6,1 Mio. t betrug. Dar√ľber hinaus werden u. a. Eisen-, Zinn-, Chrom-, Wolfram- und Manganerze sowie Apatit abgebaut. Seit Ende der 1980er-Jahre f√∂rdert das russisch-vietnamesische Jointventure ¬ĽPetrovietnam¬ę Erd√∂l (F√∂rdermenge 1997: 10 Mio. t).
 
 
Die Energieerzeugung basiert v. a. auf mit Kohle betriebenen Wärmekraftwerken. 1996 wurden 16 996 Mio. kWh Strom produziert. Geplant sind weitere 15 Kraftwerke.
 
 
Der Industriesektor (einschlie√ülich Bergbau) besch√§ftigte (1990) rd. 14 % der Erwerbst√§tigen (davon Besch√§ftigtenanteil des verarbeitenden Gewerbes: 11,2 %) und erwirtschaftete (1996) rd. 30,7 % des BIP. Im Zuge marktwirtschaftlicher Reformen stieg die Industrieproduktion (1997) um 13,2 % (1992: 16,0 %) an. Infolge der Rohstoffvorkommen dominieren im Norden die Eisen- und Stahlindustrie, chemische und Baustoffindustrie, w√§hrend im S√ľden, dem heute stark aufstrebenden industriellen Zentrum des Landes, Nahrungsmittel-, Textil- und Kunststoff- sowie Elektroindustrie vorherrschen. Hauptindustriestandorte sind Hanoi, Haiphong, Da Nang und Ho-Chi-Minh-Stadt.
 
 
1997 besuchten 1,7 Mio. ausl√§ndische G√§ste Vietnam (1991: 300 000). Landschaftlich reizvoll sind die Berggebiete sowie die Str√§nde (Zentralregion und S√ľden); Anziehungspunkte sind ferner die historischen Sehensw√ľrdigkeiten der St√§dte (Tempelanlagen, Grabbauten).
 
 
Die Au√üenhandelsbilanz, seit 1980 durchweg negativ (Einfuhrwert 1990: 2,6 Mrd. US-$; Ausfuhrwert: 2,2 Mrd. US-$), erreichte 1992 erstmals wieder einen positiven Saldo (1996: 3,9 Mio. US-$). Die wichtigsten Exportprodukte waren (1997) Erd√∂l, Kohle und Textilien, importiert wurden v. a. Brenn- und Rohstoffe, Maschinen sowie Konsumg√ľter. Bedeutendste Handelspartner waren (1996) Japan, Singapur, S√ľd-Korea, Deutschland und Frankreich. Der Anteil osteurop√§ischer Staaten am Au√üenhandelsvolumen ging von (1990) 50 % auf (1991) 14 % zur√ľck.
 
Verkehr:
 
Nach Beendigung des Vietnamkriegs war die Wiederherstellung der Infrastruktur eines der wichtigsten Ziele. Das Stra√üennetz wurde im Zeitraum 1976-93 von 173 000 km auf 350 000 km erweitert. Hauptverkehrsader ist zusammen mit der parallel verlaufenden K√ľstenstra√üe die 1 730 km lange Eisenbahnverbindung Hanoi-Ho-Chi-Minh-Stadt. Zu den Nachbarl√§ndern gibt es kaum Verbindungsstra√üen. Der Transport auf den Binnengew√§ssern, v. a. im Mekongdelta, ist von gro√üer wirtschaftlicher Bedeutung. Wichtigste √úberseeh√§fen sind Haiphong, Da Nang und Ho-Chi-Minh-Stadt. Internationale Flugh√§fen sind in Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt.
 
 Geschichte:
 
 
Auf dem Gebiet des heutigen Vietnam bestand im S√ľden vom 2. bis 6. Jahrhundert das Reich Funan, n√∂rdlich anschlie√üend bis zur Landesmitte vom 2. bis 15. Jahrhundert das von den Cham getragene Reich Champa. Der Beginn der Geschichte der Vietnamesen ist dagegen schwer zu erfassen. Sie traten zuerst im Deltabereich des Roten Flusses auf. Ihr Name (√§lteste Form Lac, Lac Viet) ist mit der fr√ľhesten Bronzekultur S√ľdostasiens verkn√ľpft, der Dongsonkultur (1. Jahrtausend v. Chr., Ursprung in Nordvietnam), doch reichen die Wurzeln ihrer Kultur bis in die Jungsteinzeit zur√ľck. Als erster vietnamesischer Staat gilt das halblegend√§re K√∂nigreich Van Lang mit Zentrum im Delta des Roten Flusses (7.-3. Jahrhundert v. Chr., nach der mythischen √úberlieferung im Jahr 2879 v. Chr. gegr√ľndet), f√ľr dessen Existenz arch√§ologische Spuren Anhaltspunkte geben. Gegen Ende der Dongsonkultur entstanden im s√ľdchinesisch-nordvietnamesischen Raum die ersten geschichtlichen Reiche, so Au Lac (um 210-179 v. Chr., Hauptstadt Co Loa, 20 km n√∂rdlich von Hanoi) und Nam Viet (chinesisch Nanyue, 207-111 v. Chr., Hauptstadt bei Kanton). Beide waren von China unabh√§ngig und geh√∂rten kulturell noch immer der Dongsonkultur an. Au Lac, von Invasoren aus S√ľdchina begr√ľndet, trat an die Stelle des Reichs Van Lang und wurde selbst kurz nach 179 v. Chr. von Nam Viet erobert. Dieses erstreckte sich nun vom Gebiet des heutigen chinesischen Kanton bis etwa zum heutigen vietnamesischen Da Nang. 111 v. Chr. wurde es von China annektiert und erhielt den Status einer Provinz. Damit begann die tausendj√§hrige chinesische Herrschaft √ľber die Vietnamesen, w√§hrend der es aus Widerstand gegen eine Assimilierung zu vielen Revolten kam. Nach dem Aufstand der Schwestern Trung (40-43) wurde die chinesische Herrschaft √ľber die Provinzen direkter ausge√ľbt. Es folgte die Sinisierung der vietnamesischen Oberschicht (Einf√ľhrung der chinesischen Schrift, des Buddhismus, der konfuzianischen Ethik). 679-939 wurden Teile des heutigen Annam und Tongking von China als Generalprotektorat Annam verwaltet; Hauptstadt und Sitz des chinesischen Gouverneurs war seit 767 Dai La (La Thanh, Dai La Thanh, an der Stelle des sp√§teren Hanoi).
 
 Das Reich von Annam
 
Erst nach dem Zusammenbruch des chinesischen Tangreiches im 10. Jahrhundert gelang es den Vietnamesen, die Vorherrschaft des ¬ĽReiches der Mitte¬ę zu beenden und mehrere Gebiete zum Reich von Annam (Reichsname Dai Co Viet, Hauptstadt Hoa Lu, etwa 65 km s√ľdlich von Hanoi) zu vereinigen (968). 972 wurden ¬ĽTributbeziehungen¬ę zu China aufgenommen. Aus dem buddhistischen und taoistischen Klerus bildete sich ein Beamtenapparat. Unter der fr√ľhen Dynastie Le (980- 1009) verteidigte das Reich sich gegen China und griff nach Champa aus. Unter der sp√§ten Dynastie Li (Ly, 1009-1225; eine fr√ľhe Lidynastie hatte sich 542-602 durch einen Aufstand etablieren k√∂nnen) wurde die Verwaltung zentralisiert (u. a. Einf√ľhrung einer festen Rangordnung f√ľr Beamte, von Staatsexamina und einer allgemeinen Wehrpflicht). Die Herrschaft der Li war auch eine Bl√ľtezeit des Buddhismus (Sammlung heiliger Texte) und der Kunst. Residenz war Thang Long (w√∂rtlich: ¬Ľaufsteigender Drache¬ę, heute Hanoi). 1069 wurden die n√∂rdlichen Gebiete Champas annektiert; Li Thanh Tong (1054-72) nahm den Titel eines Kaisers von Dai Viet (¬ĽGro√ü-V.¬ę, Reichsname bis 1804) an.
 
Die folgende Trandynastie (1225-1400) wehrte 1257, 1284 und 1287 die Mongolen (chinesische Yuandynastie) ab. Die reformistische Hodynastie (seit 1400) wurde schon 1406/07 von den Chinesen gest√ľrzt, die das Land eroberten. Nach ihrer Vertreibung kam die sp√§te Ledynastie (1428-1788) an die Macht. Ihre lange Herrschaftsperiode, nur im 16. Jahrhundert unterbrochen, wird als goldenes Zeitalter vietnamesischer Kultur und Geschichte angesehen. Au√üenpolitisch gelang 1471 die Unterwerfung Champas.
 
Ende des 16. Jahrhunderts setzte der Aufstieg der beiden m√§chtigen Feudalgeschlechter Trinh und Nguyen ein. Die Trinh verwalteten als Reichsverweser, nominell im Auftrag des Kaisers, den Nordteil des Landes mit der Hauptstadt Thang Long, die Nguyen bauten den s√ľdlichen Teil zu einem unabh√§ngigen Herrschaftsgebiet aus; Hauptstadt war ab 1687 Phu Xuan (Hu√™). Die rivalisierenden Familien wurden von europ√§ischen Gro√üm√§chten (Portugal, Frankreich) unterst√ľtzt. Erst Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Zweiteilung des Landes beendet. 1802 besiegte Nguyen Anh aus dem Nguyen-Geschlecht mit franz√∂sischer Hilfe die kurzzeitig regierende Dynastie Tay Son und bestieg als Kaiser Gia Long (bis 1820) den Thron. Unter ihm dehnte sich das Reich (Staatsname seit 1804 Viet Nam; Hauptstadt Hu√™) erstmals in seiner Geschichte vom Roten Fluss bis zum Mekongdelta aus. Die Politik seiner Nachfolger f√ľhrte zur Konfrontation mit Frankreich, das den s√ľdlichen Landesteil bis 1867 eroberte (franz√∂sische Kolonie Cochinchina). Annam und Tongking wurden 1883/84 zu franz√∂sischen Protektoraten und 1887 mit Cochinchina und Kambodscha zur ¬ĽUnion von Indochina¬ę (Indochina) vereint.
 
 Kolonialzeit und Indochinakrieg
 
Nach der Niederwerfung des Aufstands von 1908 leitete Frankreich wirtschaftliche Reformen ein. Generalgouverneur A. Sarraut f√ľhrte den Schulunterricht f√ľr Einheimische ein. 1926 erhielten Annam und Tongking Parlamente mit beratender Funktion. Die Ma√ünahmen der Kolonialmacht konnten jedoch das Entstehen einer Unabh√§ngigkeitsbewegung nicht verhindern. Ihr radikaler Fl√ľgel l√∂ste den Aufstand von 1930 aus. Nach dessen blutiger Unterdr√ľckung und der Zerschlagung der von einer schmalen b√ľrgerlichen Schicht getragenen nationalistischen Gruppen √ľbernahm die von Ho Chi Minh 1930 gegr√ľndete KP Indochinas die F√ľhrung der Unabh√§ngigkeitsbewegung.
 
Nach der Niederlage Frankreichs im Zweiten Weltkrieg musste die franz√∂sische Regierung unter P. P√©tain im September 1940 die japanische Besetzung Tongkings zulassen. 1941 gr√ľndete Ho Chi Minh die kommunistisch beherrschte Bewegung Vietminh, Vo Nguyen Giap baute deren Guerillaverb√§nde auf. Am 8. 3. 1945 lie√ü die japanische Besatzungsmacht, die inzwischen die franz√∂sischen Kolonialbeh√∂rden in ganz Indochina entmachtet hatte, die Bildung eines Staates ¬ĽVietnam¬ę aus Tongking, Annam und Cochinchina unter Kaiser Bao Dai zu.
 
Nach der Kapitulation Japans (August 1945) setzte der Vietminh Bao Dai am 25. 8. 1945 ab; am 2. 9. 1945 proklamierte Ho Chi Minh in Hanoi die Demokratische Republik Vietnam, deren Pr√§sident und Regierungschef er wurde. Im September 1945 kehrten die Franzosen nach Indochina zur√ľck. Ihr Vertrag mit Ho Chi Minh (6. 3. 1946 konnte aber die Meinungsverschiedenheiten √ľber die staatliche Zukunft Vietnams nicht beseitigen. Der Vietminh wollte die ¬ĽBefreiung¬ę, Frankreich aber eine partielle Rekolonisierung. Mit der franz√∂sischen Kanonade von Haiphong (23. 11. 1946) begann der Indochinakrieg.
 
Noch w√§hrend des Krieges versuchte Frankreich, 1949/50 Vietnam als assoziierten souver√§nen Staat (Hauptstadt Saigon) in die Franz√∂sische Union aufzunehmen (mit Bao Dai als ¬ĽStaatschef¬ę). W√§hrend die USA und Gro√übritannien das Regime in Saigon anerkannten, stellten sich die Volksrepublik China und die Sowjetunion (im Januar 1950) offiziell hinter die Regierung unter Ho Chi Minh. Seit 1950 gingen die Vietminh-Verb√§nde immer st√§rker zur Offensive gegen franz√∂sische St√ľtzpunkte √ľber. Im Fr√ľhjahr 1954 konnten sie den franz√∂sischen Kolonialstreitkr√§ften bei Dien Bien Phu eine vernichtende Niederlage zuf√ľgen. Auf der Genfer Indochinakonferenz (Genfer Konferenzen) erkl√§rte sich Frankreich zum R√ľckzug bereit. Bis zur Abhaltung von Wahlen in ganz Vietnam sollten sich die kommunistischen Kr√§fte in eine n√∂rdliche, die nichtkommunistische Kr√§fte in eine s√ľdliche Zone Vietnams zur√ľckziehen. Zwischen beiden Gebieten lag beiderseits des 17. Breitengrades eine neutrale Zone.
 
 
In der n√∂rdlichen Zone baute die Vietminh-Bewegung die Demokratische Republik Vietnam nach dem Muster einer Volksdemokratie auf. An der Spitze der Vietnamesischen Nationalen Einheitsfront √ľbte die kommunistische Lao Dong (deutsch ¬ĽPartei der Vietnamesischen Werkt√§tigen¬ę) die alleinige Macht aus. Staats- und Parteichef war Ho Chi Minh, Ministerpr√§sident (ab 1955) Pham Van Dong.
 
Noch vor der kommunistischen Machtergreifung setzte eine Massenflucht von Nordvietnamesen, meist Bauern und Handwerkern, nach S√ľden ein. Die Mehrzahl von ihnen waren Katholiken. Die kommunistische Regierung setzte - auch unter Anwendung gewaltt√§tiger Mittel - eine Bodenreform durch. Unter rigorosem Einsatz von Menschen leitete sie die Industrialisierung Nordvietnams ein und erhielt dabei umfassende Unterst√ľtzung von der Volksrepublik China und den europ√§ischen Ostblockstaaten, besonders der Sowjetunion. Die Chinesen leisteten auch milit√§rische Hilfe. Die Regierung Nordvietnams, die sich als einzige legitime Vertreterin gesamtvietnamesischer Interessen betrachtete, st√ľtzte und lenkte von Anfang an die kommunistische Rebellenbewegung (Vietcong) in der unter dem Schutz der USA in der s√ľdlichen Zone entstandenen Republik Vietnam. In wachsendem Ma√üe sandte die nordvietnamesische Regierung Truppen √ľber den Ho-Chi-Minh-Pfad in das s√ľdliche Vietnam. Im Zuge der Ausweitung des B√ľrgerkriegs zwischen Nord- und S√ľdvietnam zu einem internationalen milit√§rischen Konflikt (Vietnamkrieg) geriet die Demokratische Republik Vietnam immer mehr auf Konfrontationskurs mit den USA, die sich aufseiten der Republik Vietnam im S√ľden des Landes engagierten. Seit 1965 wurde Nordvietnam durch amerikanische Fl√§chenbombardierungen schwer in Mitleidenschaft gezogen. Nach langen Bem√ľhungen um die Beilegung des Krieges konnten die Demokratische Republik Vietnam und die USA 1973 einen Waffenstillstand unterzeichnen. Im ideologischen Konflikt zwischen den sowjetischen und chinesischen Kommunisten suchte Ho Chi Minh einen Mittelkurs zu steuern. Nach seinem Tod (1969) wurde Le Duan F√ľhrer der Partei, Ton Duc Thang (* 1888, ‚úĚ 1980) wurde Staatspr√§sident.
 
 
Im Juni 1954 wurde Ngo Dinh Diem Ministerpr√§sident der Republik Vietnam. Diplomatisch unterst√ľtzt von den USA, erkannte seine Regierung die Vietnam betreffenden Beschl√ľsse der Genfer Indochinakonferenz nicht an. V. a. lehnte er gesamtvietnamesische Wahlen ab, da er eine kommunistische Macht√ľbernahme in ganz Vietnam bef√ľrchtete. Mit amerikanischer Hilfe baute er einen antikommunistischen Staat auf, in den er die nordvietnamesischen Fl√ľchtlinge eingliederte. Mit der Unterwerfung der milit√§risch organisierten Sekten (1954/55; u. a. Caodai, Caodaismus) gelang ihm zun√§chst eine Festigung des s√ľdlichen Vietnam als Staat. 1955 setzte er Bao Dai ab, rief die Republik aus und wurde selbst Staatspr√§sident. Mit starker waffentechnischer und personeller Hilfe der USA suchte er seit 1957/58 den Aufstand der Vietcong zu unterdr√ľcken. Das Ausbleiben einer Bodenreform, die zunehmende Diktatur Ngo Dinh Diems, Korruption und Nepotismus f√ľhrten den Vietcong und ihrer politischen Organisation, der Nationalen Befreiungsfront S√ľdvietnams (gegr√ľndet 1960), jedoch st√§ndig Anh√§nger zu. Die Spannungen zwischen dem katholischen Pr√§sidenten und den Buddhisten S√ľdvietnams weiteten sich 1963 zu einer Staatskrise aus, als Ngo Dinh Diem die religi√∂sen und politischen Forderungen der Buddhisten zu unterdr√ľcken suchte. Es kam zu Selbstverbrennungen buddhistischer M√∂nche und Nonnen. Am 1. 11. 1963 st√ľrzte die Armee unter General Duong Van Minh (* 1916) mit Duldung der USA die Regierung Ngo Dinh Diem in einem blutigen Staatsstreich. Die Verfassung wurde au√üer Kraft gesetzt. Nach einer Periode h√§ufig wechselnder Regierungen √ľbernahm am 20. 5. 1965 ein Offiziersdirektorium die Macht. Staatspr√§sident wurde Nguyen Van Thieu, Ministerpr√§sident Nguyen Cao Ky (* 1930; im Amt 1965-67).
 
Auf Ersuchen S√ľdvietnams waren die USA 1964/65 direkt in den Krieg eingetreten, um eine kommunistische Macht√ľbernahme zu verhindern. 1966 kam es unter F√ľhrung buddhistischer M√∂nche zu regierungsfeindlichen Unruhen, besonders in Hu√™ und Da Nang, an denen sich auch Teile der Streitkr√§fte beteiligten. Nach der Verabschiedung einer neuen Verfassung (1967) suchte Nguyen Van Thieu mithilfe der USA, bis 1973 Haupttr√§ger des Vietnamkrieges, - auf Dauer vergeblich (besonders nach 1973) -, die von ihm gef√ľhrte Republik Vietnam zu erhalten. Nach ihrem Zusammenbruch (30. 4. 1975 und der Macht√ľbernahme der von den Vietcong 1969 gebildeten, von Nordvietnam gelenkten Provisorischen Revolutionsregierung S√ľdvietnams vereinigten sich 1976 Nord- und S√ľdvietnam zur Sozialistischen Republik Vietnam (seit 1977 Mitglied der UNO).
 
 Das wieder vereinigte Vietnam
 
Staatspr√§sident wurde Ton Duc Thang, Ministerpr√§sident Pham Van Dong; Vertreter des S√ľdens wurden formal in die Regierung aufgenommen. Im Zuge der gewaltsamen Revolutionierung der s√ľdvietnamesischen Gesellschaft hatte die Provisorische Revolutionsregierung S√ľdvietnams bereits 1975 nach ihrer Macht√ľbernahme Amtstr√§ger und Anh√§nger der gest√ľrzten Republik Vietnam aus der Verwaltung S√ľdvietnams entfernt und in ¬ĽUmerziehungslager¬ę eingewiesen. Die Kommunistische Partei Vietnams (KPV; bis 1976 Partei der Vietnamesischen Werkt√§tigen), die unter F√ľhrung von Le Duan stand, wurde gem√§√ü der Verfassung der Sozialistischen Republik Vietnam die allein ma√ügebliche Kraft in ganz Vietnam; die von ihr ausge√ľbte ¬ĽDiktatur des Proletariats¬ę wurde als Grundsatz der politischen Willensbildung in der Verfassung verankert. Neben der Angleichung des s√ľdvietnamesischen Wirtschaftssystems an das von Nordvietnam vorgegebene System der Planwirtschaft sah sich die Regierung vor die Aufgabe gestellt, den Wiederaufbau der durch den Krieg zerst√∂rten Wirtschaft einzuleiten und ein Millionenheer von Arbeitslosen, demobilisierten Soldaten und anderen Entwurzelten wieder einzugliedern; ein seit 1964 bestehendes Wirtschaftsembargo der USA erschwerte die Situation zus√§tzlich. Unter politisch-ideologischen wie unter wirtschaftspolitischen Aspekten f√ľhrte die Regierung ein Umsiedlungsprogramm durch, u. a. die zwangsweise Ansiedlung von √ľber 1 Mio. Bewohnern Saigons (seit 1976 Ho-Chi-Minh-Stadt) in neuen Wirtschaftszonen. Hunderttausende Vietnamesen flohen √ľber See ins nichtkommunistische Ausland (Boatpeople). Im ideologisch-machtpolitischen Streit zwischen der Volksrepublik China und der Sowjetunion stand Vietnam, besonders seit Abschluss des vietnamesisch-sowjetischen Freundschafts- und Kooperationsvertrags (1978) und dem Beitritt zum RGW (1978), auf sowjetischer Seite. Nach Spannungen mit dem von den Roten Khmer regierten Kambodscha lie√ü Vietnam im Dezember 1978 dort Truppen einmarschieren und setzte Anfang Januar 1979 eine kommunistische Regierung ein. Die vietnamesischen Besatzungstruppen sahen sich bis zu ihrem Abzug (1989) mit Guerillaaktionen der Roten Khmer und anderer kambodschanischer Widerstandsgruppen konfrontiert. Im Februar/M√§rz 1979 sowie im April 1984 kam es zu chinesisch-vietnamesischen Grenz- und Seekriegsauseinandersetzungen.
 
1980 trat eine neue Verfassung, 1985 eine W√§hrungsreform in Kraft. Nach dem Tod Le Duans (Juli 1986) w√§hlte der Parteitag im Dezember 1986 Nguyen Van Linh zum Generalsekret√§r der KPV, der 1991 von Do Muoi (* 1917) abgel√∂st wurde. Nachdem der VI. Parteitag der KPV (1986) eine Wirtschaftsreformpolitik beschlossen und der VII. Parteitag (1991) den ¬ĽSozialismus¬ę neu definiert hatte, wurde 1992 eine neue Verfassung erlassen und auf dem VIII. Parteitag (1996) ein Perspektivplan bis 2020 verabschiedet. Unter KP-Generalsekret√§r Do Muoi (1988-91 zugleich Regierungschef) und Ministerpr√§sident Vo Van Kiet (* 1923; im Amt 1991-97) suchte Vietnam besonders unter dem Eindruck der weltpolitischen Ver√§nderungen den Weg von der sozialistischen Planwirtschaft zur ¬Ľsozialistischen Marktwirtschaft¬ę einzuschlagen (vergleiche Abschnitt zur Wirtschaft), hielt allerdings politisch am unbedingten Herrschaftsmonopol der KP fest. 1992-97 war Le Duc Anh Staatspr√§sident. Unzufriedenheit der Landbev√∂lkerung und die Korruption lokaler KP-Funktion√§re f√ľhrten 1997 zu zahlreichen Bauernprotesten. Im selben Jahr wurde auch eine Parteis√§uberung durchgef√ľhrt.
 
Au√üenpolitisch normalisierte Vietnam im November 1991 seine Beziehungen zur Volksrepublik China (1999 Abkommen √ľber die Landesgrenze und 2000 √ľber die jahrzehntelang umstrittene Seegrenze im Golf von Tongking). Im Februar 1994 hob der amerikanische Pr√§sident B. Clinton das seit 1964 bestehende Wirtschaftsembargo gegen Vietnam auf und nahm im Juli 1995 die diplomatischen Beziehungen seines Landes zu Vietnam wieder auf (im November 2000 der seit dem Ende des Vietnamkrieges erste Staatsbesuch eines amerikanischen Pr√§sidenten). Im Juli 1995 trat Vietnam der ASEAN-Staatengruppe bei; ein mit der EU im selben Monat abgeschlossenes Handels- und Kooperationsabkommen enth√§lt Vereinbarungen u. a. √ľber Fl√ľchtlingsfragen und Umweltschutz, √ľber Investitionsf√∂rderung, Marktzugang, wirtschaftliche Zusammenarbeit und Menschenrechte. - 1997 kam es zu einem Wechsel in der vietnamesischen Partei- und Staatsf√ľhrung: Im September wurde Tran Duc Luong (* 1937) Staatspr√§sident, Phan Van Khai (* 1933) Regierungschef und im Dezember Le Kha Phieu (* 1931) Generalsekret√§r der KP. Die neue F√ľhrung, die im Rahmen einer Massenamnestie (1998) auch Dissidenten freilie√ü, bekr√§ftigte die Absicht einer Fortf√ľhrung des Wirtschaftsreformprozesses, der allerdings nur schleppend vorankam. Im Januar/Februar 2001 kam es in der von Minderheiten bewohnten Bergregion der Provinz Gia Lak und Dak Lak zu schweren ethnisch-sozialen Unruhen. Im April 2001 wurde Le Kha Phieu durch den als Reformer geltenden, bisherigen Pr√§sidenten der Nationalversammlung Nong Duc Manh (* 1940) im Amt des KPV-Generalsekret√§rs abgel√∂st. Im Juli 2002 best√§tigte das Parlament sowohl Staatspr√§sident Tran Duc Luong als auch Ministerpr√§sident Phan Van Khai f√ľr weitere f√ľnf Jahre in ihren Funktionen.
 
 
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Vi|et|naŐ£m [viŐĮ…õ...; auch: '- -]; -s: Staat in S√ľdostasien.

Universal-Lexikon. 2012.

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